Discrete Choice Experiment

Katharina Dröge (Mai 2017)

Das Discrete Choice Experiment ist eine ökonometrische Methode, um Präferenzen oder Zahlungsbereitschaften in einem ökonomischen Umfeld zu ermitteln. Sie ermöglicht die Analyse von Wahlentscheidungen zwischen hypothetischen Gütern oder Szenarien.1) Daher zählt das Discrete Choice Experiment zu den „stated preferences“-Methoden, da die Entscheidungssituation und die dazugehörigen Randbedingungen explizit gegeben sind und die Präferenzen direkt erfragt werden können.
Grundlage bildet zum einen die Konsumtheorie von Lancaster. In dieser wird die Annahme getrofen, dass Menschen ihren Nutzen nicht aus den Gütern oder Szenarien an sich ziehen, sondern aus deren Ausprägungen. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass Menschen aus einem zugänglichen Güterkatalog immer das Gut auswählen, welches ihnen den größtmöglichen Nutzen bringt (Random-Utility-Theorie nach McFadden).2)

Durch die Auswertung eines durchgeführten Discrete Choice Experiment kann man Aussagen über Präferenzen oder Zahlungsbereitschaften für bestimmte Ausprägungen treffen. Diese Methode wird seit den 90er Jahren meistens in den Bereichen der Transportwirtschaft, Gesundheitsökonomik und Umweltökonomik genutzt, um Präferenzen von Marktteilnehmern ermitteln zu können. Auch im Marketing wird diese Methode vermehrt eingesetzt.3)

Durchführung

Die Durchführung beläuft sich im Wesentlichen auf fünf Schritte. Der erste Schritt beschreibt die Wahl eines Gutes oder eines Szenarios. Es gilt zu beachten, dass dieses Gut oder Szenario für eine Analyse im Rahmen eines Discrete Choice Experiment geeignet ist. Im zweiten Schritt werden die relevanten Eigenschaften der Güter oder Szenarien ausgewählt. Der dritte Schritt beinhaltet die Gestaltung des Experiments. Verschiedene Attribute inklusive verschiedenen Ausprägungen werden kombiniert und in sogenannte Choice Sets zusammengefasst. Diese Choice Sets bilden die hypothetischen Szenarien, zwischen denen die Befragten wählen müssen. Die Choice Sets werden bei Befragungen oftmals in Blöcke eingeteilt, um die Durchführung des Experiments zu vereinfachen. Die Ausprägungen der Attribute können qualitativer (z.B.: Art des Energieträgers) oder quantitativer Natur (z.B.: Menge des Energieverbrauchs) sein. Ersteres wird durch eine nominale Skala und letzteres durch eine ordinale oder kardinale Skala definiert. Die Datensammlung durch eine Befragung von einer passenden Zielgruppe bildet den vierten Schritt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer Datenerhebung, beispielsweise eine face-to-face oder eine Online-Befragung. Die Anzahl der Befragten bestimmt die Größe der Stichprobe. Je größer die Stichprobe, desto genauer das Ergebnis. Allerdings ist es wichtig, dass die Befragten zu der Zielgruppe gehören und zwischen den Choice Sets sinngemäß wählen können, da sonst die Standardabweichung zu groß wird. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Randomisierung der Choice Sets, das bedeutet, dass die (evtl. in Blöcke eingeteilten) Choice Sets zufällig auf die Befragten verteilt werden. Abschließend werden die Ergebnisse in einem fünften Schritt analysiert und ausgewertet. Dabei werden meistens ökonometrische Standardverfahren zur Auswertung von diskreten Entscheidungsfindungen verwendet (Regressionsanalysen). So können Präferenzen für bestimmte Ausprägungen der Attribute ermittelt werden.4)

Vor- und Nachteile

Der hauptsächliche Vorteil der Discrete Choice-Methode beinhaltet, dass konkrete Entscheidungsfaktoren geliefert werden können, wodurch konsumentenorientierte Optimierungsprozesse ermöglicht werden. Außerdem können verschiedene Ausprägungen von Attributen und deren Konsequenzen für Marktteilnehmer identifiziert werden.5) Die Nachteile von Discrete Choice Experimenten belaufen sich auf die Komplexität, welche zu einer kognitiven Überforderung der Befragten führen kann und auf den hypothetischen Charakter, so dass den Ergebnissen an externer Validität fehlt. Letzteres wird allerdings durch Forschungsergebnisse bezüglich der externen Validität relativiert, da die Übereinstimmung zwischen hypothetischen und realen Entscheidungen relativ hoch angesetzt wird.6)

Quellenverzeichnis

  • Auspurg, K. und Liebe, U.: Choice-Experimente und die Messung von Handlungsentscheidungen in der Soziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 63, 2011. 301-314.
  • Dehning, R. und Latacz-Lohmann, U.: Präferenzen betrofener Bürger beim Ausgleich von Landschaftsbeeinträchtigungen durch Windparks. Institut für Agrarökonomie der Universität Kiel.
  • Hanley, N., Wright, R. E. and Adamowicz, V.: Using Choice Experiments to Value the Environment: Design Issues, Current Experience and Future Prospects. Environmental and Resource Economics 11, 1998. 413-428.

Frühere Versionen und Autoren

1) , 3) , 5)
Auspurg und Liebe 2011.
2) , 6)
Hanley, Wright und Adamowicz 1998.
4)
Abgeleitet aus Dehning und Latacz-Lohmann 2011 und erweitert mit Auspurg und Liebe 2011.