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Naturalistischer Fehlschluss

Sebastian Müntz (September 2016)

Als „naturalistischer Fehlschluss“ wird im heutigen, die Umweltethik betreffenden Diskurs, ein logisch nicht gültiger Schluss bezeichnet, der aus dem Bestehen einer Tatsache ableitet, dass diese bestehen solle 1) Bereits 1903 stellt George Edward Moore in seiner Principia Ethica 2) eine Definition des naturalistischen Fehlschlusses auf, der dieser Begriff in seiner heutigen Verwendung nahe kommt. Moore macht darauf aufmerksam, dass der Begriff des Guten nicht über die Eigenschaften von Dingen, die gut seien, definiert werden könne: „Aber viel zu viele Philosophen haben gemeint, daß sie, wenn sie diese anderen Eigenschaften nennen, tatsächlich >gut< definieren; daß diese Eigenschaften in Wirklichkeit nicht >andere< seien, sondern absolut und vollständig gleichbedeutend mit Gutheit [goodness]. Diese Ansicht möchte ich den >naturalistischen Fehlschluß< nennen […].“3) In der Umweltethik findet der Begriff des naturalistischen Fehlschlusses z.B. in der Frage, welche Naturgüter und Wesen schützenswert sind, Anwendung. So stellt Konrad Ott z.B. fest, dass die Eigenschaft „selten“ oder „gefährdet“ nicht ausreiche, um einer Entität die Eigenschaft „gut“ zu verleihen. Um tatsächlich schützenswert zu sein, müssten die Kriterien zur Schutzwürdigkeit („selten“, „gefährdet“) selbst gut begründet sein.4) Eine weit verbreitete, für die Tierethik relevante Form des naturalistischen Fehlschlusses, beschreibt Peter Singer in seinem Werk Animal Liberation 5). Er wendet sich gegen die Argumentation, dass das Töten von Tieren aus dem Grund, dass auch andere Tiere Tiere töten, akzeptabel sei: „Es kann sein, daß oftmals ´die Natur recht hat`, doch wir müssen unsere eigene Urteilskraft benutzen, um zu entscheiden, wann wir der Natur folgen sollen.“ 6) Mit anderen Worten: Aus der Beschaffenheit der Natur kann nicht abgeleitet werden, dass diese Beschaffenheit gut ist.

Quellenverzeichnis

  • George Edward Moore: Principia Ethica. Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Burkhard Wisser. Stuttgart / Ditzingen 1996.
  • Konrad Ott: Begründungen, Ziele und Prioritäten im Naturschutz. In: Projektionsfläche Natur. Zum Zusammenhang von Naturbildern und gesellschaftlichen Verhältnissen. Herausgegeben von Ludwig Fischer, Hamburg 2004. S. 277-321.
  • Peter Singer: Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere. Deutsch von Claudia Schorcht. Hamburg 1996.

Frühere Versionen und Autoren

1)
Ott 2004, S. 280.
2)
Moore 1996.
3)
Ebd. 1996, S. 40-41.
4)
Vgl. Ott 2004, 280-281.
5)
Singer 1996.
6)
Ebd., S. 361.